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ALOISIUS - vom Fohlen zum Reitpferd

Anreiten - Im Sattel, aber mit Führung

Erstes Anreiten
Im Schritt mit Führung hinter Julinka her
Es war ein saukalter Morgen im Februar und der Boden war fest gefroren, - nicht gerade der optimale Tag ein Pferd anzureiten. Aber nach den Erlebnissen der letzten Tage war mir klar, dass Loisl so weit war! Ihn jetzt einfach auf den Reitplatz zu stellen und mich draufzuschwingen, wäre doch etwas zu riskant. So entschloß ich mich Julinka mit auf den Platz zu nehmen und mit Julia drauf vorauslaufen zu lassen. Mit einem erfahrenen Lehrmeister würde die Sache gleich viel leichter und Loisl war ja schon von der Fahrausbildung gewohnt von Julinka zu lernen. Als wir beide Pferde aufgesattelt hatten, ging es raus auf den Platz. Wir achteten darauf, dass Loisl immer genau das gleiche zu tun hatte wie Julinka. Erst gingen wir zur Platzmitte um die Steigbügel herunter zu lassen und den Bauchgurt noch mal nachzuziehen. Dann führte ein Helfer Julinka zur Aufstiegshilfe, wo Julia aufstieg. Loisl hatte ich auch schon in diese Richtung buchsiert, damit er dabei zusehen konnte. Julinka wurde drei Meter nach vorne geführt und wartete dort auf Loisl, der nun an der Aufstiegshilfe stand. Ich übergab den Führstrick an einen Helfer und stieg ganz sachte auf. Loisl registrierte das fast gar nicht. Hatte er überhaupt gemerkt, dass ich nun auf ihm saß? Ja, das hatte er sicherlich. Der Boden war hart gefroren, er hatte keine schützenden Hufeisen und unser gemeinsames Gewicht war sicher mächtig an den Hufsohlen zu spüren. Mir waren die Steigbügel zu kurz eingestellt, aber ich wagte es nicht diese jetzt zu verstellen, denn Loisl musste jetzt beschäftigt werden. Nach ausführlichem Lob gingen wir mit dem Kommando "Schiiiritt!" und einem nicht zu harten Schenkeldruck los. Ich war auf das Schlimmste gefasst, weshalb ich einen Helfer mit eingehaktem Führstrick passiv nebenherlaufen lies. Doch das Einzige was Loisl zu stören schien, war die Reittrense mit dem einfach gebrochenen Gebiss im Maul. Unwirsch warf er den Kopf auf und ab und zog die Zügel nach vorne. Ich versuchte so weich und nachgiebig wie möglich zu reagieren, aber doch so, dass er spürte von da oben gelenkt zu werden. Und siehe da, wir ritten! Na ja, Reiten konnte man das eigentlich noch nicht nennen, aber wir gingen einigermaßen kontrolliert hinter Julinka her. Nach vier Runden mit einigen "Haaalt" und erneuten "Schiiiritt"-Kommandos mit Schenkeldruck gingen wir zur Mitte des Reitplatzes zurück und stiegen mit viel Lob, Streicheln und Tätscheln ab. Nachdem das Zaumzeug runter war gab´s sofort Leckerlis... - Wow, das war geschafft. Der Helfer musste nicht ein einziges mal eingreifen, der Führstrick war eigentlich umsonst; - aber beruhigt hat er mich schon etwas! ;-)


Anreiten - Freies Reiten hinter dem Lehrmeister

Am nächsten Tag wollte ich das Erlernte vertiefen und Loisl frei hinter Julinka herlaufen lassen. Etwas mulmig war mir beim Aufsteigen schon, aber ich hatte an diesem Tag schlichtweg keinen zweiten Helfer zur Hand. Und das war auch gut so. Loisl hatte das Thema Reiten schon verstanden. Es war für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass ich auf ihm saß und er lief Julinka ganz freiwillig hinterher. Durch das Kutschefahren war er es sowieso gewohnt auf Stimmkommandos zu hören. So war es an diesem Tag schon möglich ein paar Bahnfiguren und Wendungen zu reiten. Natürlich war ihm das Gebiss immer noch sehr zuwider, aber er fügte sich immer mehr und schien doch recht zufrieden mit dem ganzen Prozedere. Das Lenken funktionierte zwar mit dem Fahrgeschirr besser als mit der Reittrense, aber ich glaube das wird schon noch. Ich werde ihm mal ein Gummigebiss kaufen, im Internet hört man davon ja nur Positives. Ausserdem dürfte das im Winter wesentlich angenehmer im Maul sein. Immerhin hat das Gebiss die gleiche Temperatur wie die Umgebung und das waren in den letzten Tagen so heftige Minusgrade, dass ich das Gebiss in lauwarmem Wasser vorwärmen musste!

Frei anreiten

Frei hinter Julinka hergeritten


Anreiten - Erstes freies Reiten

Wieder waren zwei Wochen vergangen und der Winter hatte das Land immer noch fest im Griff. Der Reitplatz war noch flächendeckend verschneit aber immerhin taute der Schnee tagsüber schon an und der Boden war nicht mehr ganz so hart gefroren. Über das Internet hatte ich eine Gummitrense besorgt, die ich aufgrund ihres starken Gummigeruchs erst mal auskochen musste (!).
Gummitrense
Die Gummitrense ist angenehmer
Der Geruch war zwar danach nur unwesentlich besser, aber ich hatte einfach ein besseres Gefühl dabei, Loisl dieses Ding in´s Maul zu tun. Schon beim Auftrensen merkte ich, dass Loisl das Gummiteil wesentlich besser annahm. Logisch, es klappert nicht, es fühlt sich nicht so eisig kalt an und eine eventuelle Berührung mit den Zähnen ist auch wesentlich angenehmer. Mit Reithelm und Sicherheitsweste, - die empfehle ich prinzipiell beim Reiten -, ging es auf den Reitplatz. Loisl lernte das gleich reitschulmäßig: Zuerst in die Mitte vom Platz und ruhig stehen, dann nachgurten und Steigbügel runter. Sind Pferd und Reiter klar, geht´s im großen Bogen zur Aufstiegshilfe. Dort muß das Pferd wieder absolut ruhig stehen, damit der Reiter gefahrlos aufsteigen kann. Nach zwei Anläufen klappte das auch an diesem Tag; und das ganz ohne die große Lehrmeisterin Julinka. Noch bevor ich Schenkeldruck gab und "Schiiiritt" sagen konnte, ging Loisl los. Das mußte ich ihm abgewöhnen, aber es gab wichtigeres in dem Moment. Gemütlich wie es Loisls Natur halt ist, gingen wir auf dem ersten Hufschlag um den unangenehm unebenen und verschneiten Platz. Das war prinzipiell nicht schlecht, denn so konnte Loisl gar nicht auf die Idee kommen einfach loszugaloppieren. Er hatte genug damit zu tun den richtigen Tritt zu finden und unser beider Gewicht auszubalancieren. Auf meine Zügelhilfen reagierte er immer noch etwas unwirsch, aber durch die Gummitrense war das schon wesentlich besser. Nach ein paar Bögen gingen wir über zwei am Boden liegende Balken, die zwar für Loisl keine Herausforderung darstellten aber immerhin erzwangen, dass er seinen Schritt anpassen musste und auch auf seine Hinterhufe achten musste. Nach diesem Mini-Hindernis blieben wir mit "Haaalt" und Zügelzug stehen. Dann lobte ich ihn laut und mit viel Halsklopfen. Man merkte, dass er stolz war und erkannte, dass das was er da tat und wie er es machte wohl richtig war. - Diese positive Bestätigung ist das Wichtigste was man einem Pferd in der Ausbildung geben kann. Und wenn mal was nicht so gut läuft, reicht ein langgezogenes "Neiiin" und die Wiederholung der Übung bis es klappt. Wenn es einfach nicht klappen will, wiederholt man etwas das das Pferd schon kann und lobt es dann dafür. Nur nicht mit einem "Nein" und einem unzufriedenen Pferd aufhören! - Jetzt war das schon vorher aufgestellt Cavaletti an der Reihe. Als Loisl merkte, dass wir darauf zusteuerten wollte er zur Seite ausbrechen, aber ich lenkte ihn sanft und bestimmt darauf zu. Mit einem scharfen "Aufpassssen" kurz vor dem Cavaletti, wie ich es übrigens bei jedem Hindernis verwende, gingen wir Huf für Huf ganz vorsichtig über das Cavaletti. Ich stellte etwas mehr von meinem Gewicht in die Steigbügel, ließ Loisl aber die Zügel relativ locker, damit er uns besser ausbalancieren konnte. Er hatte das Cavaletti geschafft und wir blieben für ein großes Lob stehen. Das Cavaletti war für ihn nichts Neues, wir hatten das schon oft bei unseren Führübungen mit eingebaut. Wieder einmal zeigte sich, dass sich die viele Vorarbeit der letzten zwei Jahre sehr gelohnt hat. Im Schritt konnte ich nun mit ihm so gut wie Alles machen. Und sollte der Frühling dieses Land doch noch mal beglücken, dann versuchen wir mal Trab und Galopp ...

Erstes freies Reiten

Erstes freies Reiten


Anreiten - Erster Trab

Endlich Osterferien! Es waren immerhin zwei Tage trockenes Wetter angesagt, bevor es wieder schneien sollte. Das war die Chance mit Loisl das erste mal zu traben. Anja war es aber doch etwas zu wagemutig, dass ich mich einfach draufsetzen und "gasgeben" wollte. Ich hatte da eigentlich keine Bedenken, weil Loisl sich im Schritt ja so gut anstellte. Trotzdem baten wir Gela mit einem anderen Pferd vorauszutraben, damit Loisl nicht wieder in sein altes Muster verfallen konnte und vollgas davongaloppieren würde. Gesagt - getan: Zuerst ritt ich Loisl im Schritt richtig müde. Wir hatten sogar ein paar Cavalettis aufgestellt und ich ließ ihn relativ oft darübergehen. X Runden am Platz und viele Kurven und Figuren führten schließlich dazu, dass dem Burschen der Kopf ganz schön runterhing. Dann erst kam Gela mit Ferdinand, dem Chef der Herde, auf den Reitplatz. Gleich ritt ich mit Loisl im Schritt hinterher und versuchte mit ihm Ferdinand´s sportliches Tempo mitzuhalten. Loisl war schon ganz schön KO und wir mussten die Kurven stark abkürzen um hinterherzukommen. Dann fragte Gela ob sie lostraben soll und ich antwortete mit einem vorsichtigen "OK, müsste schon gehen!" Gela trabte mit Ferdinand los und ich trieb Loisl mit Schenkeldruck und gutem Zureden an. Ich merkte, dass er unsicher war, ob er denn überhaupt lostraben durfte, bisher hatte ich ihn schließlich bei jedem kleinen Hüpfer sofort eingebremst. Er verstand dann aber doch, dass er Ferdinand folgen sollte und trabte los ...

Erster Trab

Erster Trab


Ich war begeistert: Ein wundervoll weicher Trab mit einem sanft schwingenden Rücken, der mich nicht wie bei manchem Haflinger aus dem Sattel katapultierte, sondern sogar ein Aussitzen ganz problemlos möglich machte. Um Loisl nicht zu sehr zu belasten, ritt ich aber dann gleich im Leichttrab. Ja, so machte Reiten spass! Wir trabten zwei mal eine halbe Runde mit viel Lob und Halstätscheln. Dann erlöste ich Loisl von meinem Gewicht. - "Morgen hat er bestimmt Rückenschmerzen", scherzte ich und war mir dabei gar nicht so sicher ob das vielleicht nicht tatsächlich so war(?) ...

Anreiten - Erster freier Trab

Also ich schicke es gleich voraus, es hat einwandfrei funktioniert! Ja sicher, es gab am Anfang kleine Kommunikationsprobleme. Ich hatte Angst, dass Loisl mich mit einem Bocksprung auf den matschigen Reitplatz befördert und Loisl wusste nicht ob er wirklich traben durfte. So sah das Ganze etwas eckig aus und fühlte sich auch genau so an: Antraben - bremsen - antraben - bremsen ..., aber nach ein paar Metern Trab wusste er, dass er das genau richtig machte und ich hatte so viel Vertrauen, dass ich die Zügel etwas locker lassen konnte. Meine Frau filmte mit ihrer Digitalkamera dieses spannende Ereignis und ich kann nicht leugnen, dass mein breites Grinsen auf dem Video doch sehr deutlich zu erkennen war. Endlich war Loisl so weit, das war echtes Reiten...

Freier Trab

Erster freier Trab


Loisl trabt
Video: Loisl trabt




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